François Villon, lebte von ca. 1431 bis 1463. Meist auf der Flucht vor der Obrigkeit, zum Tode verurteilt und wieder begnadigt, ist er eine der schillerndsten und interessantesten Figuren der Literatur-geschichte. Seine satirischen Strophen auf zeitgenössische Pariser Honoratioren werden ebenso geschätzt wie seine eindringliche Gestaltung der Themen Liebe, Hoffnung, Enttäuschung, Hass und Tod.

Begnadigt und gerade entlassen aus dem Kerker des Châtelet - im Angesicht seiner bevorstehenden Verbannung im Jahre 1463 - erzählt Francois Villon in seiner letzten Nacht im Hause seines Ziehvaters Guillaume de Villon die Legende seines kurzen, leidenschaftlichen Lebens.

 

Durch seine Balladen und die Worte seines kleinen und großen Testamentes, eingebunden in ein biografisches Portrait, entsteht in der Interpretation des Schauspielers Moritz Stoepel ein Bild der gesellschaftlichen Zustände dieser Zeit und der Persönlichkeit des „plus grand poète lyrique de la France“, dieses „poète maudit“ - Francois Villon.

 

 

 

PRESSESTIMMEN
 

»Ich, Villon, hochverehrt und angespien«
Moritz Stoepel feiert Premiere über den Poeten François Villon Bad Nauheim (gk) 16.3.2007, Wetterauer Zeitung

 

Nicht enden wollender Beifall im Badehaus 2 des Sprudelhofs: Agnes Römer von der Buchhandlung am Park und Mitveranstalterin des Abends, tritt aufs Podium und feiert den Interpreten: Bisher sei der Name François Villon für die meisten immer noch mit Klaus Kinskys Rezitation verbunden. »Seit heute Abend werden wir Villon nur noch in einem Atemzug mit Moritz Stoepel nennen.« Ihr Dank gilt dem in Kronberg lebenden Schauspieler, Rezitator, Sänger, Musiker und Regisseur Moritz Stoepel, Träger des Harlekin-Preises der Stadt Frankfurt.

Was in zwei Stunden, die im Flug vergehen, vor Augen und Ohren eines begeisterten Auditoriums abläuft, ist ein Kraftakt, wie man ihn wirklich nur ganz selten miterleben darf. Singend, schreiend, stöhnend, stampfend, flüsternd, wimmernd, wirbelt ein entfesselter, sich bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung verausgabender Ausnahmekünstler über die Bühne, um gleich danach mit leiser, kaum hörbarer Stimme ins andere Extrem zu verfallen. Und nie, keinen Augenblick lang, wirken diese Ausbrüche wie Effekthascherei. Nein, sie sind vielmehr Teil eines wohldurchdachten, souverän arrangierten Programms. Stoepel ist auf dem neuesten Stand der Villon-Forschung, arbeitet nicht nur mit Paul Zechs zum 500. Geburtstag Villons im Jahr 1931 erschienener, sehr freien Nachdichtung, sondern bezieht auch die philologisch korrekte, aber kaum weniger poetische Übersetzung Carl Fischers von 1992 ein. Der historische Hintergrund, vor dem sich das kaum mehr als 30 Jahre währende Leben des Ausnahmepoeten abspielt, wird intensiv-kurzweilig in selbstgeschriebenen Texten und Kommentaren beleuchtet. Das gesprochene Wort allein wäre jedoch niemals fähig, diesen zweistündigen, nur durch eine kurze Erholungspause unterbrochenen Marathon bis ins letzte, leise verklingende Wort hinein zu einem Erlebnis der Extraklasse werden zu lassen. Wenn man wie Stoepel mit gut einem halben Dutzend Instrumenten umzugehen versteht, sie nicht nur zum Erzeugen von Hintergrundmusik  benutzt, sondern ihr Spiel zum integralen Bestandteil des Wortprogramms werden lässt, hätte der Abend noch stundenlang weitergehen können.

Maître Villon, der, am Ende des 100-jährigen Kriegs geboren, als uneheliches, vaterloses Kind aufwächst, hat das Glück, vom reichen Bischof Guillaume de Villon (dessen Namen er später annehmen wird) in Obhut genommen zu werden. Er erhält die Möglichkeit, an der Sorbonne ein Studium der freien Künste zu absolvieren. Die Türen der besseren Gesellschaft stehen offen für ihn. Er hat sie, weiß Gott warum, nicht durchschritten, sondern die Halbwelt der Pariser Spelunken und Bordelle vorgezogen. Hier entstehen seine ersten Balladen wie die von der dicken Margot: derb, direkt, schonungslos. »Ich schreibe nur das auf, was ist«, so Villons Credo, mit dem er sich gegen die gesamte dichtende Zunft stellt. Mit einigen Spießgesellen bricht er ins College de Navarre ein, um die Kasse zu rauben. Er wird gefasst und landet im Kerker. Es werden weitere Aufenthalte folgen. Villon wird verwickelt in Messerstechereien und andere kriminelle Exzesse. Durch Fürsprache seines bischöflichen Ziehvaters und andere glückliche Umstände gelingt es ihm immer wieder, im letzten Moment der Exekution zu entgehen, so etwa durch die beim Regierungsantritt Ludwigs XI. im Jahr 1461 verkündete Amnestie. Der 30-Jährige widmet ihm ein (ironisches) Dankgedicht. In der Abrechnung mit seinen diversen Feinden läuft Villon/Stoepel zu großer Form auf. Ein Höhepunkt in seinem Programm ist sicher die »Ballade von den Verleumderzungen«. Nach einem »verwüsteten« Leben bleibt nur der Gedanke an den Tod. In der Nachdichtung von Paul Zech liest sich Villons »Anweisung, welches Gebet Ihr an meinem Grabe zu sprechen habt« wie folgt: »O Herr, gib diesem armen Luder hier/den Frieden, den er bei dem wilden Tier,/gemeinhin Mensch genannt,/nicht fand.« Solche, aber gerade auch die leisen, wehmütig-süßen Töne kommen in Stoepels facettenreicher Präsentation nicht zu kurz. Der körperlich und seelisch ruinierte Poet darf noch die Anfänge seines Ruhms erleben, den er wie einen Nekrolog empfindet: Aber muss auch alles Irdische hinab, die Lieder werden bleiben. Über den Abgrund eines halben Jahrtausends schreit, flüstert, singt uns Maître Villon seine subversiven Botschaften ins Ohr. Dass wir ihn so gut verstehen und fast meinen, er stünde leibhaftig vor uns - genau dies ist das nicht genug zu rühmende Verdienst eines Moritz Stoepel, der im Badehaus 2 alles gegeben hat.

Ich, Villon - poète maudit

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